– Die Gefahr, die in großen Menschen und Zeiten liegt, ist außerordentlich; die Erschöpfung jeder Art, die Sterilität folgt ihnen auf dem Fuße. ), wir müssen göttlich gewesen sein, denn wir haben die Vernunft!«… In der Tat, Nichts hat bisher eine naivere Überredungskraft gehabt als der Irrtum vom Sein, wie er zum Beispiel von den Eleaten formuliert wurde: er hat ja jedes Wort für sich, jeden Satz für sich, den wir sprechen! Die blutige Farce, mit der sich diese Revolution abspielte, ihre »Immoralität«, geht mich wenig an: was ich hasse, ist ihre Rousseausche Moralität – die sogenannten »Wahrheiten« der Revolution, mit denen sie immer noch wirkt und alles Flache und Mittelmäßige zu sich überredet. Er sah hinter seine vornehmen Athener; er begriff, dass sein Fall, seine Idiosynkrasie von Fall bereits kein Ausnahmefall war. Wer aber kein Karpfen ist, tut nicht nur gut, sondern hat es nötig, ordentlich zu essen. Gotzen-Dammerung: Amazon.es: Nietzsche, Friedrich Wilhelm: Libros en idiomas extranjeros. – Das Sich-Beklagen taugt in keinem Falle etwas: Es stammt aus der Schwäche. Mit ihr verweist er auf das diagnostische Vorgehen, dass die so hinterfragten Götzen „hohle Töne“ von sich geben können. Die Hoffnung ist vollkommen vorüber, dass hier sich eine bescheidene und selbstgenügsame Art Mensch, ein Typus Chinese zum Stande herausbilde, und dies hätte Vernunft gehabt, dies wäre geradezu eine Notwendigkeit gewesen. Moral, wie sie bisher verstanden worden ist – wie sie zuletzt noch von Schopenhauer formuliert wurde als »Verneinung des Willens zum Leben« – ist der, -Instinkt selbst, der aus sich einen Imperativ macht: sie sagt: » geh zu Grunde!« – sie ist das Urteil Verurteilter…, 6. Wer es losgelöst von der Lust des Menschen am Menschen denken wollte, verlöre sofort Grund und Boden unter den Füßen. Sokrates war auch ein großer Erotiker. War Sokrates ein typischer Verbrecher? Das ewige Leben, die ewige Wiederkehr des Lebens; die Zukunft in der Vergangenheit verheißen und geweiht; das triumphierende Ja zum Leben über Tod und Wandel hinaus; das wahre Leben als das Gesamt. Dieses Mosaik von Worten, wo jedes Wort als Klang, als Ort, als Begriff, nach rechts und links und über das Ganze hin seine Kraft ausströmt, dieses Minimum in Umfang und Zahl der Zeichen, dieses damit erzielte Maximum in der Energie der Zeichen – das alles ist römisch und, wenn man mir glauben will, vornehm par excellence. 29. Wie? 38. Der consensus sapientium beweist die Wahrheit.« – Werden wir heute noch so reden? – Dinge schaffen, an denen umsonst die Zeit ihre Zähne versucht; der Form nach, der Substanz nach um eine kleine Unsterblichkeit bemüht sein – ich war noch nie bescheiden genug, weniger von mir zu verlangen. 3. bei Sokrates deutet nicht nur die zugestandene Wüstheit und Anarchie in den Instinkten: eben dahin deutet auch die Superfötation des Logischen und jene Rhachitiker-Bosheit, die ihn auszeichnet. Oktober 1844 in Röcken geboren und starb im Alter von 55 Jahren am 25. Die Hoffnung ist vollkommen vorüber, dass hier sich eine bescheidene und selbstgenügsame Art Mensch, ein Typus Chinese zum Stande herausbilde, und dies hätte Vernunft gehabt, dies wäre geradezu eine Notwendigkeit gewesen. Die strenge Aufrechterhaltung bedeutender und gewählter Gebärden, eine Verbindlichkeit, nur mit Menschen zu leben, die sich nicht »gehen lassen«, genügt vollkommen, um bedeutend und gewählt zu werden: In zwei, drei Geschlechtern ist bereits alles verinnerlicht. Der Enttäuschte spricht. 4. Alle solche Naturen haben die Farbe des Unterirdischen auf Gedanken und Handlungen; an ihnen wird jegliches bleicher als an solchen, auf deren Dasein das Tageslicht ruht. Wenn man echt ist… Meine Furcht ist groß, dass der moderne Mensch für einige Lastet einfach zu bequem ist: so dass diese geradezu aussterben. Vor allem wird damit ein vornehmer Geschmack besiegt; der Pöbel kommt mit der Dialektik obenauf. Er verringert damit die Wahrscheinlichkeit, von Neuem getreten zu werden. mit der wahren Welt haben wir auch die scheinbare abgeschafft! Sowohl die Zähmung der Bestie Mensch, als die Züchtung einer bestimmten Gattung Mensch ist »Besserung« genannt worden: Erst diese zoologischen termini drücken Realitäten aus – Realitäten freilich, von denen der typische »Verbesserer«, der Priester, nichts weiß – nichts wissen will… Die Zähmung eines Tieres seine »Besserung« nennen ist in unseren Ohren beinahe ein Scherz. – Der Wert einer Sache liegt mitunter nicht in dem, was man mit ihr erreicht, sondern in dem, was man für sie bezahlt – was sie – Man versteht es auch in England nicht anders, doch darüber wird sich kein Mensch betrüben. Letztlich aber sei der Faschismus als pöbelhaftes „Kultur-Banausentum“ dem hohen Geist Nietzsches mit seinen vornehmen Idealen im Grunde fremd. – ist die eigentliche décadente-Bewegung in der Moral, sie ist als solche tief verwandt mit der christlichen Moral. 33 Naturwert des Egoismus. Zu ihm sagen »ändere dich« heißt verlangen, dass Alles sich ändert, sogar rückwärts noch… Und wirklich, es gab konsequente Moralisten, sie wollten den Menschen anders, nämlich tugendhaft, sie wollten ihn nach ihrem Bilde, nämlich als Mucker: dazu verneinten sie die Welt! Die Ärzte wiederum hätten die Vermittler dieser Verachtung zu sein – nicht Rezepte, sondern jeden Tag eine neue Dosis Ekel vor ihrem Patienten… Eine neue Verantwortlichkeit schaffen, die des Arztes, für alle Fälle, wo das höchste Interesse des Lebens, des aufsteigenden Lebens, das rücksichtsloseste Nieder- und Beiseite-Drängen des entartenden Lebens verlangt – zum Beispiel für das Recht auf Zeugung, für das Recht, geboren zu werden, für das Recht, zu leben… Auf eine stolze Art sterben, wenn es nicht mehr möglich ist, auf eine stolze Art zu leben. – Hier gilt es, allen Feigheiten des Vorurteils zum Trotz, vor allem die richtige, das heißt physiologische Würdigung des sogenannten natürlichen Todes herzustellen: der zuletzt auch nur ein »unnatürlicher«, ein Selbstmord ist. Niemand ist dafür verantwortlich, dass er überhaupt da ist, dass er so und so beschaffen ist, dass er unter diesen Umständen, in dieser Umgebung ist. Wie armselig ist das »Neue Testament« gegen Manu, wie schlecht riecht es! Bloß ein Oberflächenphänomen des Bewusstseins, ein Nebenher der Tat, das eher noch die antecedentia einer Tat verdeckt, als dass es sie darstellt. Wenn das andere Philosophen-Volk das Zeugnis der Sinne verwarf, weil dieselben Vielheit und Veränderung zeigten, verwarf er deren Zeugnis, weil sie die Dinge zeigten, als ob sie Dauer und Einheit hätten. – Gegen meinen Begriff »Jenseits von Gut und Böse« hat sich, wie zu erwarten stand, die ganze Ferozität der moralischen Verdummung, die bekanntlich in Deutschland als die Moral selber gilt – ins Zeug geworfen: ich hätte artige Geschichten davon zu erzählen. Vielleicht gibt es nichts unserem Gefühle Widersprechenderes als diese Schutzmaßregeln der indischen Moral. Die fröhliche Wissenschaft • – Die Kirche und die Moral sagen: »ein Geschlecht, ein Volk wird durch Laster und Luxus zugrunde gerichtet«. Was er wollte, das war Totalität, er bekämpfte das Auseinander von Vernunft, Sinnlichkeit, Gefühl, Wille (in abschreckendster Scholastik durch Kant gepredigt, den Antipoden Goethes); er disziplinierte sich zur Ganzheit, er schuf sich… Goethe war, inmitten eines unreal gesinnten Zeitalters, ein überzeugter Realist: er sagte Ja zu allem, was ihm hierin verwandt war – er hatte kein größeres Erlebnis als jenes ens realissimum, genannt Napoleon. – Zola: oder »die Freude zu stinken«. Die Sprache, scheint es, ist nur für Durchschnittliches, Mittleres, Mitteilsames erfunden. Ist die Spannung in der Masse zu groß geworden, so genügt der zufälligste Reiz, das »Genie«, die »Tat«, das große Schicksal in die Welt zu rufen. – Die Dummheit, im Grunde die Instinkt-Entartung, welche heute die Ursache aller Dummheiten ist, liegt darin, dass es eine Arbeiter-Frage gibt. [8] In einem Brief an Franz Overbeck schrieb Nietzsche, dass er das druckfertige Manuskript innerhalb von zwanzig Tagen vollendete. – Er trug dessen stärkste Instinkte in sich: die Gefühlsamkeit, die Natur-Idolatrie, das Antihistorische, das Idealistische, das Unreale und Revolutionäre (letzteres ist nur eine Form des Unrealen). Es ist entscheidend über das Los von Volk und Menschheit, dass man die Kultur an der rechten Stelle beginnt – nicht an der »Seele« (wie es der verhängnisvolle Aberglaube der Priester und Halb-Priester war): die rechte Stelle ist der Leib, die Gebärde, die Diät, die Physiologie, der Rest folgt daraus… Die Griechen bleiben deshalb das erste Kultur-Ereignis der Geschichte – sie wussten, sie taten, was not tat; das Christentum, das den Leib verachtete, war bisher das größte Unglück der Menschheit. Gesetzt, dass man das Frevelhafte einer solchen Auflehnung gegen das Leben begriffen hat, wie sie in der christlichen Moral beinahe sakrosankt geworden ist, so hat man damit, zum Glück, auch etwas Anderes begriffen: das Nutzlose, Scheinbare, Absurde, Lügnerische einer solchen Auflehnung. Aus einer Rippe seines Gottes, – seines »Ideals« …. Weil man nie bei ihm auf den Grund kommt. – Aber Rousseau – wohin wollte der eigentlich zurück; Rousseau, dieser erste moderne Mensch, Idealist und Kanaille in einer Person; der die moralische »Würde« nötig hatte, um seinen eigenen Aspekt auszuhalten; krank vor zügelloser Eitelkeit und zügelloser Selbstverachtung. – Die Moral und Religion gehört ganz und gar unter die Psychologie des Irrtums: In jedem einzelnen Falle wird Ursache und Wirkung verwechselt; oder die Wahrheit mit der Wirkung des als wahr Geglaubten verwechselt; oder ein Zustand des Bewusstseins mit der Ursächlichkeit dieses Zustands verwechselt. Das ist die erste Vorschulung zur Geistigkeit: auf einen Reiz nicht sofort reagieren, sondern die hemmenden, die abschließenden Instinkte in die Hand bekommen. Jeder Naturalismus in der Moral, das heißt jede gesunde Moral, ist von einem Instinkte des Lebens beherrscht, – irgend ein Gebot des Lebens wird mit einem bestimmten Kanon von »Soll« und »Soll nicht« erfüllt, irgend eine Hemmung und Feindseligkeit auf dem Wege des Lebens wird damit bei Seite geschafft. Man darf nicht im Erlebnis nach sich hinblicken, jeder Blick wird da zum »bösen Blick«. »Es muss ein Schein, eine Betrügerei dabei sein, dass wir das Seiende nicht wahrnehmen: wo steckt der Betrüger?« – »Wir haben ihn, schreien sie glückselig, die Sinnlichkeit ist’s! Auf die im Werk angelegte, von ihm provozierte Möglichkeit eines Missbrauchs der physiologischen Termini für eine menschenfeindliche „Sozialhygiene“ bis in die Zeit des Nationalsozialismus ist mehrfach hingewiesen worden. Wie er in der autobiographischen Schrift Ecce homo schrieb, bezieht sich „Götze“ auf das, was man bisher Wahrheit genannt habe, auf deren Ende die (Metapher der) Dämmerung deute: „Götzen-Dämmerung – auf deutsch: Es geht zu Ende mit der alten Wahrheit …“[1]. Zu feige, um zu lügen …. Diese Forderung folgt aus einer Einsicht, die von mir zum ersten Male formuliert worden ist: Dass es gar keine moralischen Tatsachen gibt. Was den Menschen rechtfertigt, ist seine Realität – sie wird ihn ewig rechtfertigen. –, 45 Der Verbrecher und was ihm verwandt ist. August 1900 in Weimar. Widerspruch zur wirklichen Welt aufgebaut: eine scheinbare Welt in der Tat, insofern sie bloß eine moralisch-optische Täuschung ist. Alle Nietzsche antichrist zusammenfassung aufgelistet. Da hilft man sich gegenseitig, da ist jeder bis zu einem gewissen Grade Kranker und jeder Krankenwärter. – Unsere überfüllten Gymnasien, unsere überhäuften, stupid gemachten Gymnasiallehrer sind ein Skandal: Um diese Zustände in Schutz zu nehmen, wie es jüngst die Professoren von Heidelberg getan haben, dazu hat man vielleicht Ursachen – Gründe dafür gibt es nicht. –. –, 50 Man könnte sagen, dass in gewissem Sinne das neunzehnte Jahrhundert das alles auch erstrebt hat, was Goethe als Person erstrebte: eine Universalität im Verstehen, im Gutheißen, ein An-sich -heran-kommen-lassen von jedwedem, einen verwegenen Realismus, eine Ehrfurcht vor allem Tatsächlichen. – Der Verbrecher-Typus, das ist der Typus des starken Menschen unter ungünstigen Bedingungen, ein krankgemachter starker Mensch. Im dionysischen Zustande ist dagegen das gesamte Affekt-System erregt und gesteigert: so dass es alle seine Mittel des Ausdrucks mit einem Male entläd und die Kraft des Darstellens, Nachbildens, Transfigurierens, Verwandelns, alle Art Mimik und Schauspielerei zugleich heraustreibt. Das alles erscheine im Gegensatz zu „der erbärmlichen und schauderhaften Komödie, die das Christentum mit der Sterbestunde getrieben“ habe. Die Vergeistigung der Sinnlichkeit heißt Liebe: sie ist ein großer Triumph über das Christentum. In der Morgenröte untersuchte Nietzsche Leben und Kultur des Menschen in einer umfassenden, umwertenden Symptomatologie, die er in der Vorrede als Arbeit der Tiefe bezeichnete. – »Wer ist der vollkommene Mensch?« – Der Staats-Beamte. Wir glaubten uns selbst im Akt des Willens ursächlich; wir meinten da wenigstens die Ursächlichkeit auf der Tat zu ertappen. Er nahm die Historie, die Naturwissenschaft, die Antike, insgleichen Spinoza zu Hilfe, vor allem die praktische Tätigkeit; er umstellte sich mit lauter geschlossenen Horizonten; er löste sich nicht vom Leben ab, er stellte sich hinein; er war nicht verzagt und nahm so viel als möglich auf sich, über sich, in sich. Ein Vertreter? Friedrich Wilhelm Nietzsche. – Ich sehe durchaus nicht ab, was man mit dem europäischen Arbeiter machen will, nachdem man erst eine Frage aus ihm gemacht hat. und Irrlichter: Der Wille ist eins von ihnen. – Die Kirche bekämpft die Leidenschaft mit Ausschneidung in jedem Sinne: ihre Praktik, ihre »Cur« ist der Castratismus. Zuletzt habe ich hier die raffiniertesten Geschmacksrichter unter den Alten selbst auf meiner Seite. Wo der Mensch überhaupt niedergedrückt wird, da wittert er die Nähe von etwas »Hässlichem«. Ein geborener Psycholog hütet sich aus Instinkt, zu sehen, um zu sehen; dasselbe gilt vom geborenen Maler. Das Pathos hat sich verändert, nicht bloß die Intellektualität. 5. Der Mensch hat seine drei »inneren Tatsachen«, das, woran er am festesten glaubte, den Willen, den Geist, das Ich, aus sich herausprojiziert – er nahm erst den Begriff Sein aus dem Begriff Ich heraus, er hat die »Dinge« als seiend gesetzt nach seinem Bilde, nach seinem Begriff des Ichs als Ursache. 5 Die Psychologie des Orgiasmus als eines überströmenden Lebens- und Kraftgefühls, innerhalb dessen selbst der Schmerz noch als Stimulans wirkt, gab mir den Schlüssel zum Begriff des tragischen Gefühls, das sowohl von Aristoteles als in Sonderheit von unseren Pessimisten missverstanden worden ist. –, 25 Mit Menschen fürlieb nehmen, mit seinem Herzen offen haushalten, das ist liberal, das ist aber bloß liberal. In der Tat möchten die Priester den Teilhabern an solchen Orgien einiges nicht Wertlose mitgeteilt haben, zum Beispiel, dass der Wein zur Lust anrege, dass der Mensch unter Umständen von Früchten lebe, dass die Pflanzen im Frühjahr aufblühen, im Herbst verwelken. Sie sollen zu Kleidern nur die Lumpen von Leichnamen haben, zum Geschirr zerbrochene Töpfe, zum Schmuck altes Eisen, zum Gottesdienst nur die bösen Geister; sie sollen ohne Ruhe von einem Ort zum anderen schweifen. Der Fanatismus, mit dem sich das ganze griechische Nachdenken auf die Vernünftigkeit wirft, verrät eine Notlage: man war in Gefahr, man hatte nur Eine Wahl: entweder zu Grunde zu gehen oder – absurd-vernünftig zu sein … Der Moralismus der griechischen Philosophen von Plato ab ist pathologisch bedingt; ebenso ihre Schätzung der Dialektik. Oder das Vertretene selbst? – Einem Philosophen geht nichts mehr wider den Geschmack als der Mensch, sofern er wünscht… Sieht er den Menschen nur in seinem Tun, sieht er dieses tapferste, listigste, ausdauerndste Tier verirrt selbst in labyrinthische Notlagen, wie bewunderungswürdig erscheint ihm der Mensch! – Liszt: oder die Schule der Geläufigkeit – nach Weibern. – Es steht niemandem mehr frei, im jetzigen Deutschland seinen Kindern eine vornehme Erziehung zu geben: Unsere »höheren« Schulen sind allesamt auf die zweideutigste Mittelmäßigkeit eingerichtet, mit Lehrern, mit Lehrplänen, mit Lehrzielen. – Physiologisch nachgerechnet, schwächt und betrübt alles Hässliche den Menschen. Warum so weich? 41. ), wir müssen göttlich gewesen sein, denn wir haben die Vernunft!«… In der Tat, nichts hat bisher eine naivere Überredungskraft gehabt als der Irrtum vom Sein, wie er zum Beispiel von den Eleaten formuliert wurde: er hat ja jedes Wort für sich, jeden Satz für sich, den wir sprechen! 3. Und wie selbstgefällig sie dabei dagelegen haben mag, diese fruchtbare Schreibe-Kuh, die etwas Deutsches im schlimmen Sinne an sich hatte, gleich Rousseau selbst, ihrem Meister, und jedenfalls erst beim Niedergang des französischen Geschmacks möglich war! In zehn von einem kurzen Vorwort eingeleiteten Abschnitten resümiert Nietzsche die Hauptthemen seines Spätwerks. Oder nur ein Schauspieler? – Und in Indien wie in Griechenland hat man den gleichen Fehlgriff gemacht: »wir müssen schon einmal in einer höheren Welt heimisch gewesen sein (statt in einer sehr viel niederen; was die Wahrheit gewesen wäre! Das dritte Edikt zum Beispiel (Avadana-Sastra I), das »von den unreinen Gemüsen«, ordnet an, dass die einzige Nahrung, die den Tschandala erlaubt ist, Knoblauch und Zwiebeln sein sollen, in Anbetracht, dass die heilige Schrift verbietet, ihnen Korn oder Früchte, die Körner tragen, oder Wasser oder Feuer zu geben. – Auch die Gegner der Eleaten unterlagen noch der Verführung ihres Seins-Begriffs: Demokrit unter anderen, als er sein Atom erfand… Die »Vernunft« in der Sprache: oh was für eine alte betrügerische Weibsperson! Nach seinem Studium arbeitete er als außerordentlicher Professor für Klassische Philologie in Basel, musste aber bereits 1879 aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig pensioniert werden. Statt danach zu fragen, wie man Begierden vergeistigen und verschönen könne, seien sie bekämpft worden. Vielleicht selbst erheiternd? Sie fragt nie: »wie vergeistigt, verschönt, vergöttlicht man eine Begierde?« – sie hat zu allen Zeiten den Nachdruck der Diszplin auf die Ausrottung (der Sinnlichkeit, des Stolzes, der Herrschsucht, der Habsucht, der Rachsucht) gelegt. 1 Man kennt meine Forderung an den Philosophen, sich jenseits von Gut und Böse zu stellen – die Illusion des moralischen Urteils unter sich zu haben. – Sein Fall war im Grunde nur der extreme Fall, nur der in die Augen springendste von dem, was damals die allgemeine Not zu werden anfieng: dass Niemand mehr über sich Herr war, dass die Instinkte sich gegen einander wendeten. –, 19 Schön und hässlich. von Pöbel-Ressentiment? Carlyle betäubt etwas in sich durch das fortissimo seiner Verehrung für Menschen starken Glaubens und durch seine Wut gegen die weniger Einfältigen: er bedarf des Lärms. Ein Spruch, dessen Herkunft ich der gelehrten Neugierde vorenthalte, war seit langem mein Wahlspruch: increscunt animi, virescit volnere virtus. 2. In einem Brief an Paul Deussen schrieb Nietzsche, die Schrift gebe einen „sehr strengen und feinen Ausdruck meiner ganzen philosophischen Heterodoxie“, die unter viel Anmut und Bosheit versteckt sei. Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik, Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrung, http://www.nietzschesource.org/#eKGWB/BVN-1888,1115, Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen, Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, Morgenröte. Das Heraustreten steht außerhalb ihrer Kraft: was sie als Mittel, als Rettung wählen, ist selbst nur wieder ein Ausdruck der décadence – sie verändern deren Ausdruck, sie schaffen sie selbst nicht weg. – Das Wesentliche am Rausch ist das Gefühl der Kraftsteigerung und Fülle. 6. Oder die Faulheit, von der Eitelkeit überredet, sich moralisch aufzuputzen. Demokratismus war jederzeit die Niedergangs-Form der organisierenden Kraft: ich habe schon in »Menschliches, Allzumenschliches« (I 682) die moderne Demokratie samt ihren Halbheiten, wie »Deutsches Reich«, als Verfallsform des Staats gekennzeichnet. Auch diese Missgeburt, welche sich an die Schwelle der neuen Zeit gelagert hat, wollte »Rückkehr zur Natur« – wohin, nochmals gefragt, wollte Rousseau zurück? Alles Böse, das vom starken Willen bedingt ist – und vielleicht gibt es nichts Böses ohne Willensstärke – entartet, in unserer lauen Luft, zur Tugend… Die wenigen Heuchler, die ich kennenlernte, machten die Heuchelei nach: sie waren, wie heutzutage fast jeder zehnte Mensch, Schauspieler. 28. Im anderen Falle erscheint sie als niedergehende Entwicklung. »Die Griechen«, sagt er Aglaophamus I, 672, »hatten sie nichts anderes zu tun, so lachten, sprangen, rasten sie umher, oder, da der Mensch mitunter auch dazu Lust hat, so saßen sie nieder, weinten und jammerten. Zwischen einem Genie und seiner Zeit besteht ein Verhältnis, wie zwischen stark und schwach, auch wie zwischen alt und jung: die Zeit ist relativ immer viel jünger, dünner, unmündiger, unsicherer, kindischer. – Aber man missversteht große Menschen, wenn man sie aus der armseligen Perspektive eines öffentlichen Nutzens ansieht. -»Was ist das Mittel dazu?« – Er muss lernen, sich langweilen. Vor der Tragödie feiert das Kriegerische in unserer Seele seine Saturnalien; wer Leid gewohnt ist, wer Leid aufsucht, der heroische Mensch preist mit der Tragödie sein Dasein – ihm allein kredenzt der Tragiker den Trunk dieser süßesten Grausamkeit. Um allein zu leben, muss man ein Tier oder ein Gott sein – sagt Aristoteles. »Wie viel hatte ehemals das Gewissen zu beißen! – Auch die Schönheit einer Rasse oder Familie, ihre Anmut und Güte in allen Gebärden wird erarbeitet: sie ist, gleich dem Genie, das Schlussergebnis der akkumulierten Arbeit von Geschlechtern. – Aber auch diese Organisation hatte nötig, furchtbar zu sein – nicht diesmal im Kampf mit der Bestie, sondern mit ihrem Gegensatz-Begtiff, dem Nicht-Zücht-Menschen, dem Mischmasch-Menschen, dem Tschandala. Wir verneinen nicht leicht, wir suchen unsre Ehre darin, Bejahende zu sein. Ich zweifle nicht daran, dass kaum ein Buch (die Bibel, wie billig, ausgenommen) so viel Unheil gestiftet, so viele Leben verkürzt hat wie dies so wohlgemeinte Kuriosum. Sackelig? – denn es sollte gar nicht kommen! Wenige Bücher sind so viel gelesen worden, noch jetzt wird es in England jährlich in vielen Tausenden von Exemplaren gedruckt. Die großen Menschen sind notwendig, die Zeit, in der sie erscheinen, ist zufällig; dass sie fast immer über dieselbe Herr werden, liegt nur dann, dass sie stärker, dass sie älter sind, dass länger auf sie hin gesammelt worden ist. – Plebejisch in den untersten Instinkten und mit dem Ressentiment Rousseaus verwandt: folglich Romantiker, – denn unter allem romantisme grunzt und giert der Instinkt Rousseaus nach Rache. Aber es steht niemandem frei, Krebs zu sein. 24. Die wahre Welt haben wir abgeschafft: welche Welt blieb übrig? Aber dies ist beinahe das Rezept zur physiologischen Entartung. Aufgrund der globalen Krise, die 3,5 Milliarden Menschen leiden lässt, möchten wir dir und deinem Bekanntenkreis einen großartigen mp3-Vortrag im Wert von € 29.- schenken. Man zweifelte insgleichen nicht daran, dass alle antecedentia einer Handlung, ihre Ursachen, im Bewusstsein zu suchen seien und darin sich wiederfänden, wenn man sie suche – als »Motive«: man wäre ja sonst zu ihr nicht frei, für sie nicht verantwortlich gewesen. Eben darum begeht man gewöhnlich noch eine zweite – und nun mehr tut man zu wenig …. Dritter Satz. Die starken Zeiten, die vornehmen Kulturen sehen im Mitleiden, in der »Nächstenliebe« im Mangel an Selbst und Selbstgefühl etwas Verächtliches. 5.Mit Sokrates schlägt der griechische Geschmack zu Gunsten der Dialektik um: was geschieht da eigentlich? – Die moderne Ehe verlor ihren Sinn – folglich schafft man sie ab. In einem gewissen Zustande ist es unanständig, noch länger zu leben. Das Christentum setzt voraus, dass der Mensch nicht wisse, nicht wissen könne, was für ihn gut, was böse ist: er glaubt an Gott, der allein es weiß. 8 Was kann allein unsere Lehre sein? Vernunft == Tugend == Glück heißt bloß: man muss es dem Sokrates nachmachen und gegen die dunklen Begehrungen ein Tageslicht in Permanenz herstellen – das Tageslicht der Vernunft. Dürfen wir das? Revolutionär, aber durch die Furcht leidlich noch im Zaum gehalten. – Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. Oder der Anfang der Müdigkeit, der erste Schatten, den der Abend, jede Art Abend wirft. – Etwas Unbekanntes auf etwas Bekanntes zurückführen, erleichtert, beruhigt, befriedigt, gibt im Äußeren dem ein Gefühl von Macht. Mit irgendeinem idealen Menschen?… Und nur der ideale Mensch geht dem Philosophen wider den Geschmack. ), wir müssen göttlich gewesen sein, denn wir haben die Vernunft!«… In der Tat, nichts hat bisher eine naivere Überredungskraft gehabt als der Irrtum vom Sein, wie er zum Beispiel von den Eleaten formuliert wurde: er hat ja jedes Wort für sich, jeden Satz für sich, den wir sprechen! Dieses Ideal, so Novalis, habe keinen „gefährlicheren Nebenbuhler“ als den der „höchsten Stärke“, das man auch „das Ideal der ästhetischen Größe benannt“ habe. Wenn man nötig hat, aus der Vernunft einen Tyrannen zu machen, wie Sokrates es tat, so muss die Gefahr nicht klein sein, dass etwas anderes den Tyrannen macht. Der freigewordene Mensch, um wie viel mehr der freigewordene Geist, tritt mit Füßen auf die verächtliche Art von Wohlbefinden, von dem Krämer, Christen, Kühe, Weiber, Engländer und andre Demokraten träumen. Beweis der Lust (»der Kraft«) als Kriterium der Wahrheit. Aus diesem Gefühle gibt man an die Dinge ab, man zwingt sie von uns zu nehmen, man vergewaltigt sie – man heißt diesen Vorgang idealisieren. Rächt er sich an den Vornehmen, die er fasziniert? Ich habe zu verstehen gegeben, womit Sokrates abstoßen konnte: es bleibt um so mehr zu erklären, dass er faszinierte. Ewige Wiederkunft • Vielleicht gewagt? 12. Keine geringere Autorität als die des göttlichen Plato (so nennt ihn Schopenhauer selbst) hält einen anderen Satz aufrecht: dass alle Schönheit zur Zeugung reize – dass dies gerade das proprium ihrer Wirkung sei, vom Sinnlichsten bis hinauf ins Geistigste…, 23 Plato geht weiter. Ein Weib, das liebt, opfert seine Ehre; ein Erkennender, welcher »liebt«, opfert vielleicht seine Menschlichkeit; ein Gott, welcher liebte, ward Jude…, 47 Die Schönheit kein Zufall. Und damit berühre ich wieder die Stelle, von der ich einstmals ausging – die »Geburt der Tragödie« war meine erste Umwertung aller Werte: damit stelle ich mich wieder auf den Boden zurück, aus dem mein Wollen, mein Können wächst – ich, der letzte Jünger des Philosophen Dionysos – ich, der Lehrer der ewigen Wiederkunft…. Dass man sie nicht hinterdrein im Stich lässt! Eine neue Schöpfung zumal, etwa das neue Reich, hat Feinde nötiger als Freunde: im Gegensatz erst fühlt es sich notwendig, im Gegensatz wird es erst notwendig… Nicht anders verhalten wir uns gegen den »inneren Feind«: auch da haben wir die Feindschaft vergeistigt, auch da haben wir ihren Wert begriffen. Vielleicht auch ein neuer Krieg? 40. Ich will, ein für alle Mal, vieles nicht wissen. Wir haben den Begriff »Zweck« erfunden: In der Realität fehlt der Zweck… Man ist notwendig, man ist ein Stück Verhängnis, man gehört zum Ganzen, man ist im Ganzen, – es gibt nichts.